Lindenbaum erinnert an das Leid vor 80 Jahren

Eine Linde als lebendiges Mahnmal: 80 Jahre nach der Vertreibung aus Plankenhausen wird Geschichte greifbar. Die bewegende Gedenkfeier verbindet Erinnerung, Schmerz und Hoffnung auf Versöhnung. Persönliche Schicksale, gemeinsames Gedenken und ein starkes Zeichen für Zusammenhalt stehen im Mittelpunkt. Was bedeutet Heimat – damals und heute?

Das Erbe (8)

Familienforscher László Mlecsenkov widmet sich in einem Facebook-Post dem fotografischen Nachlass eines Grundschullehrers ____________________________________________ Von Richard Guth Anfang September bin ich auf der Facebook-Seite „Profi Családfa” auf einen interessanten Beitrag aufmerksam geworden (https://www.facebook.com/proficsaladfa/posts/pfbid0ZdNL8o34fh96vCKVDEd8owE9fnY4b1EmvPS7bKBgsTsHsDTyXKhSkBe7X6xLQbycl). „Momentaufnahmen über eine versunkene Welt” – so betitelte der Ahnenforscher László Mlecsenkov, der einer bulgarischen Gärtnerdynastie entstammt, seinen Post. Darin geht es um den Nachlass des Grundschullehrers

Jeden Monat am zweiten Donnerstag

Vortragsreihe in Sanktiwan bei Ofen anlässlich der 300-Jahr-Feier der Ansiedlung / Organisatorin Dr. Maria Mirk im SB-Gespräch __________________________________________ Von Richard Guth „Die Vortragsreihe war in der Tat meine Idee, auch die Organisation obliegt mir. Am zweiten Donnerstag jeden Monats halten Experten zu verschiedenen Themenbereichen einen Vortrag. Beim ersten Vortrag im Januar ging es um die Geschichte Sanktiwans vor der Ansiedlung

Das Erbe lebt weiter

Auf den Spuren der Ungarndeutschen in Wieland _______________________________ Von Ibolya Lengyel-Rauh 1687 kam es zu einer entscheidenden Schlacht in der Nähe von Mohatsch, in der die südtransdanubische Region von der jahrzehntelangen (ca. 150 Jahren) türkischen Herrschaft befreit wurde. Darauffolgend kam es zur Friedensschließung 1699 in Karlowatz zwischen den Habsburgern und dem Osmanischen Reich. Der Friede deklarierte die Befreiung dieses Gebietes,

Demografie, mehr Schein als Sein und die große Politik

Volkes Stimme zu den Volkszählungsergebnissen _____________________________________ Von Richard Guth „Falsche Strategie, falsche Minderheitenpolitik – Schaufenster ist immer sehr schön. Der Gebrauch der deutschen Sprache muss selbstverständlich sein. Die Veranstaltungen sollen mindestens zweisprachig sein. Die Vertreter der verschiedenen Organisationen und die Selbstverwaltungen mit all ihren Mitgliedern sollten Vorbild zeigen und nicht nur ungarisch kommunizieren”, äußerte sich eine Aktive mittleren Alters aus

Traditionspflege geht durch den Magen

Koch Gábor Schneider über Familientradition, die schwäbische Küche und deren Gegenwartsrelevanz __________________________________________________________ Gábor Schneider wurde in Ohfala/Ófalu geboren und wuchs in Bohl/Bóly auf. Die schwäbische Umgebung hatte einen großen Einfluss auf ihn, vor allem die Küche seiner Großmutter. Später studierte er Ästhetik an der Universität Fünfkirchen. Wir sprachen mit dem Besitzer des ehemaligen schwäbischen Restaurants Krédli in Fünfkirchen und des

Erbe bewahren und Moderne leben

Sandra Fuchs, Leiterin der Lochberg-Tanzgruppe, im großen SB-Interview  ______________________________________ SB: Ihr wart im Juli bei der Europeade – wie wird man als Kulturgruppe ausgewählt? SF: Man muss sich anmelden und nachher einen komplexen Registrationsprozess online absolvieren. Es sind diverse Fragen bezüglich der Gruppe, die man beantworten muss, und viele Daten müssen auch angegeben werden. Bei dem Festival gibt es aber

Wo die Häuser die Geschichte der Vergangenheit erzählen

1722/23 kamen im Auftrag von Grafen Mercy die ersten evangelischen deutschen Siedler aus Hessen in das entvölkerte Gallaß/Kalaznó. In den 1740er Jahren kamen weitere Deutsche mit der zweiten Siedlungswelle hinzu, sodass im Laufe des 18. Jahrhunderts eine evangelische Gemeinde mit 116 Häusern entstand. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts betrug die Einwohnerzahl des Dorfes 1.014, es war eine homogene deutsche Siedlung.

Prinz Eugens Siedlerkinder: die mittelungarische Ratzenmark/Tschepele-Insel und ihre Deutschen

Von Stefan Pleyer (aus Ratzenmarkt) Die Ratzenmark, also die Tschepele-Insel gehört zu jenen ungarländischen Landschaften, die eine ausgesprochen reiche, epochenübergreifende Vergangenheit über sich erzählen können. In der Umarmung von zwei Donau-Zweigen wurde die Geschichte der mittelungarischen Donauinsel von den Römern, Germanen, ungarischen Landnehmern, Serben bis hin zu verschiedenen Kolonistengruppen geprägt, und die Zeit schmiedete im Herzen Ungarns die hiesigen Völkern

Ein Siebenbürger Lebensweg

Im Gespräch mit dem Wissenschaftler Franz-Wilhelm Wanek aus Klausenburg __________________________ SB: Ich habe in Ihrem Lebenslauf gelesen, dass Sie offiziell Franz-Wilhelm Wanek heißen – wie wurde aus dem Heltauer „Sachsenburschen” ein Siebenbürger madjarischer Wissenschaftler? FW: Mein Großvater mütterlicherseits war ein Deutscher aus Schlesien, Anton Tonk. Er fand in Großwardein/Oradea eine madjarische Lebenspartnerin und die Kinder aus der Ehe – bis

„Wir haben jeden Abend weinend gebetet” – die Erinnerungen einer Gulag-Überlebenden

Erstmalig erschienen im Portal wmn.hu am 4. Juli 2023. Zweitveröffentlichung in deutscher Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Aus dem Ungarischen von Richard Guth. Vom ungarischen Staatsgebiet Stand während des Zweiten Weltkriegs und danach wurden aus unterschiedlichen Gründen fast 800.000 Menschen in Zwangslager, die sich auf dem Territorium der Sowjetunion befanden, verschleppt, und von ihnen kehrten etwa 200.000 nie heim.

Von den jungen Jahren bis zum Tod in Pari/Pári in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg

Von Ibolya Lengyel-Rauh Als Fortsetzung meiner Artikelserie erhält der Leser jetzt einen Beitrag über den Alltag der Dorfbewohner in Pari von der Jugend bis zum Tod. Nach dem Abschluss der Elementarschule begann das richtige Leben für die Jugendlichen. Sie halfen bei dem Haushalt zu Hause aus, arbeiteten auf den eigenen Feldern, im Wald oder verdienten ihr eigenes Geld als Tagelöhner.

(Mutter-) Spracherfahrungen

Von Richard Guth Schulische Sommerferien bieten für mich immer die Möglichkeit, mein gewohntes Umfeld zu verlassen und mich auf Erkundungstouren zu begeben. Nicht anders war es in diesem Jahr, als meine Reise in den Nordosten Rumäniens und in die Slowakei führte. Dabei beobachte ich immer mit großem Interesse, wie auslandsdeutsche oder ‑ madjarische Minderheitengemeinschaften mit dem sprachlichen Erbe umgehen. Dabei

Suche nach deutschen Spuren im Freilichtmuseum

Von Balázs Szabó Es ist kaum zu glauben: Von ehemals etwa 800.000 Rumäniendeutschen lebten gemäß der Volkszählung von 2011 noch etwa 36.000 im heutigen Rumänien. Wir sind im größten Freilichtmuseum Ungarns in St. Andrä / Szentendre auf die Suche nach deutschen Spuren gegangen, um unter anderem diesem großen Wandel nachzugehen. An einem sonnigen Augusttag begaben wir uns nach St. Andrä,

Ein Stück Heimat

US-Amerikaner pflegen donauschwäbische Kultur fern der Heimat der Väter __________________________________ Ein Beitrag von Martin Szanyi Die dreißigköpfige Jugend group der American Aid Society of German Descendants reiste durch Europa. Der 16-tägige Ausflug begann in Frankfurt und setzte sich in Mosbach und Salzburg fort. Man traf sich mit donauschwäbischen Vereinen und zusammen organisierte man Sing- und Tanzaufführungen. Schließlich verbrachte die Gruppe

Wo Glaube…

Von Richard Guth Der Befund ist eigentlich besorgniserregend. Dabei handelt es sich um ein globales, aber mindestens europäisches Phänomen. Bistum Fulda, ein katholisches Dorf – die Gemeinde feiert Kirmes, die Kirche füllt sich zaghaft. Vorne sitzen adrett gekleidete junge Männer, Mitglieder des örtlichen Bloos, also der Dorfjugend. In der Kirche verstreut sitzen weitere Gläubige, mit den Mitgliedern des Bloos zusammen

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