Ein Dorf im Aufbruch

Südtiroler Filmemacher Lukas Pitscheider porträtiert Alltag im österreichischen Karpatendorf Königsfeld _________________________________________________ Eine Rezension von Richard Guth Ein bemerkenswerter Dokumentarfilmcoup gelang dem Südtiroler Filmemacher Lukas Pitscheider: Er begleitete nach eigenem Bekunden drei Jahre lang die Bewohner der (einst) österreichischen Gemeinde Königsfeld/Усть-Чорна im Theresiental in der Karpatoukraine und allen voran vier Protagonistinnen und Protagonisten mit ihren Familien. Wie der Name des Tals (nach dem Fluss Tereswa) auch vermuten lässt, wurde das Dorf

Mit Theaterspaß Deutsch lernen

Im Rahmen eines vom ifa (Institut für Auslandsbeziehungen in Deutschland) ausgeschriebenen Projekts durften Kleinkinder im Alter von 3 bis 6 Jahren und Schulkinder von den unteren bis zu den oberen Klassenstufen (1.-8.) mit „Theaterspaß Deutsch lernen” – so wie auch das Projekt hieß, das für die Förderung des Spracherwerbs bei Kindern im Komitat Branau ins Leben gerufen worden war. Dabei fanden zwischen dem  30. September 2022 und dem 14. Dezember

Das Erbe (6) – ein Prosastück und sein Hintergrund

Josef Michaelis Wege durch Schluchten (Meinen Eltern) Regen strömte. Schon seit Tagen regnete es in einem fort. Gräben füllten sich bis zum Rande mit Wasser. Der Wandkalender zeigte Juni 1947. Rädergeknarre eines Wagens brachte der Nachtwind immer näher. Manchmal knallte eine Peitsche. Bald taten sich die Umrisse eines Ochsenwagens auf. Er war voll beladen. Eine Truhe und ein kleiner Kasten waren leicht zu erkennen. Tief versanken die Räder im lehmigen

„Als wäre ich heimgekehrt”

Köchin, Konditorin und Gastrobloggerin Judit Neubauer aus Banda erobert mit ungarndeutschem Kochbuch den bundesdeutschen Markt ______________________________________ Von Richard Guth Ich muss gestehen, dass sich meine Liebe zur Kochkunst in Grenzen hält. Sehr in Grenzen! Jedenfalls als aktiver Zutuer – der Genuss fertiger Speisen steht natürlich auf einem anderen Blatt. Dafür betreibt meine Frau die Kunst des Kochens umso leidenschaftlicher und so begann eigentlich die Geschichte dieses Beitrags. Ihr ist eines

Wenn das Fremde hereinbricht

Eine Rezension zum Film R.M.N. __________________________________________________ Von Richard Guth Taumelnd, vom filmischen Geschehen völlig mitgerissen verließ ich das Kino im Stadtzentrum von Budapest. Der Film „R.M.N.” des namhaften rumänischen Regisseurs Cristian Mungiu (4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage), der letztes Jahr in Cannes als Wettbewerbsfilm vorgestellt wurde, ist wohl einer der ausdrucksstarken Filme der letzten Jahre. Er behandelt ein hochaktuelles, aber auch gleichzeitig hochpolitisches Thema: die Migration in ihren

Geschichten aus der Vergangenheit, die einen auch heute prägen

Geschichten gewähren Einblick in die Vergangenheit der Schaumarer Schwaben __________________________________________________ Von Richard Guth Das Bild auf Seite 47 sprang mir sofort ins Auge. Es zeigt eine betagte Schaumarerin in abgenutzter Alltagstracht, die gerade ihren Hof kehrt. Alte Erinnerungen wurden wach, an die Resi Pasl, Witwe des 1984 verstorbenen Johann Taller, eine geborene Binder, aus der Schaumarer Wanderergasse, ungarisch Turista utca. Ich marschierte lange Zeit zu Fuß vom Kirchplatz, der Endhaltestelle

„Zum Glück gibt es noch Orte, wo neben dem Ungarischen auch andere Sprachen willkommen sind”

In Ungarn, das zunehmend einsprachig ist, verliert man kaum ein Wort über die Minderheitensprachen, von deren Literatur ganz zu schweigen. Wir haben über die ungarndeutsche Literatur gefragt. ______________________________________________________________ Ein Beitrag von Emma Rosznáky Varga. Erschienen am 09. Februar 2023 in der Tageszeitung „Népszava”. Veröffentlichung in deutscher Übersetzung mit freundlicher Genehmigung des Verlags. Deutsche Übersetzung: Richard Guth Der vor zwei Jahren verstorbene László Kálmán gab uns 2017 anlässlich des Tages der

Apropos Bartl 90

Im Gespräch mit Kunstkurator Johann Wolfart jun. anlässlich eines runden Geburtstags ________________________________________________________ Von Richard Guth „Bartl 90” war im vergangenen Jahr in der ungarndeutschen Öffentlichkeit in aller Munde. Es fanden anlässlich des 90. Geburtstages des 2013 verstorbenen Künstlers im vergangenen Jahr vier Ausstellungen über das vielseitige Lebenswerk des bedeutenden Schorokscharer Künstlers statt, eine davon als Gedenkausstellung des Verbands Ungarndeutscher Autoren und Künstler (VUdAK) im Deutschen Haus. Kurator der kulturellen Veranstaltung,

Sprache im Gepäck

Im Gepäck der etwa 2,5 Millionen der in den letzten rund dreißig Jahren in die Bundesrepublik eingewanderten (Spät-)Aussiedler aus Staaten der ehemaligen Sowjetunion befand sich ein großes immaterielles Erbe. Dieses war nicht auf alle gleichermaßen verteilt, bei dem einen mehr, bei der anderen weniger spürbar und ist immer weniger geworden. Es handelt sich dabei um die mitgebrachten »russlanddeutschen« Dialekte. Was sind das für Dialekte und wer spricht sie noch? _________________________________________________________________________

Ein Buch über uns, aber auch für uns – Eine Rezension zu Zoltán Biharis „Mi svábok”

Von Richard Guth Der Anblick des enzyklopädieartigen Buches ließ bei mir, dem Buchliebhaber, das Herz höher schlagen. Knapp 600 Seiten und ein stattliches Gewicht von deutlich über einem Kilo – es geht um Zoltán Biharis „Mi, svábok”*, das in Kürze auch in deutscher Sprache erscheinen soll! Und nicht nur das: Band 2 mit weiteren Ortschaften ist im Sommer erschienen. Es ist wahrlich nicht einfach, über ein Buch zu schreiben, in

Verspätete Aufarbeitung der eigenen Geschichte

Buchpräsentation und Filmaufführung in Bonnhard _____________________________________________ Von Anna Türberger Die deutsche Minderheit in Ungarn durfte als Kollektiv erst mit einer Verspätung von Jahrzehnten das eigene Trauma aufarbeiten können: Zwar wurde die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg in den frühen 1980ern wieder auf die öffentliche Agenda gesetzt, mit der Verschleppung oder wie es bekannter heißt „Malenkij Robot” durfte sich jedoch die Öffentlichkeit und die Community, also die Gemeinschaft selbst

Seit fast 30 Jahren im Dienste des ungarndeutschen Chorgesangs

Hohe Auszeichnung für die Wetschescher Nachtigallen ________________________________________ Von Richard Guth Der Verband der Ungarischen Chöre, Kapellen und Volksmusikensembles (KÓTA) hat Ende Januar am Tag der Ungarischen Kultur eine Formation geehrt, die ich noch aus DNG-Zeiten kenne. Von Anfang an dabei ist Chorleiterin Monika Gombár-Fazekas, ebenfalls Absolventin des Deutschen Nationalitätengymnasiums Budapest. Ich sprach mit ihr anlässlich der Auszeichnung durch den Landesverband. Monika erinnert sich so an die Anfänge: „1994 wurde der

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