Mehr als nur Hobby

Zu Besuch in der Wemender Käsemanufaktur „Käseműves”

„Käseműves” – zweifelsohne eine kreative Namenswahl, dank der klanglichen Nähe des ungarischen Wortes kéz (Hand) und des deutschen Begriffs „Käse”! Der Name der Manufaktur ist aber für Inhaberin Rita Szelig aus dem Branauer Wemend mehr als nur Handwerk. Es ist Ausdruck der eigenen ungarndeutschen Wurzeln. „Ich fing mit der Herstellung von Milchprodukten vor sechs Jahren an. Das bedeutet, jeden Tag um halb fünf aufzustehen, um danach pünktlich im Kindergarten zum Haupterwerb zu erscheinen”, erzählt Szelig.

Dabei habe sie auf keine große Familientradition zurückgreifen können: Man habe zwar Kühe besessen und im Keller sei Reisbrei gestanden, „aber das war’s dann“, so die 57-Jährige. Anders sieht es heute aus: Ihr Sohn, 25 Jahre alt, besitzt einen landwirtschaftlichen Betrieb, der stetig wachse. Der Schwerpunkt liege auf der Viehzucht – und hier fing die Geschichte des Projekts „Käseműves” an: Zuerst habe sie eine Kuh erworben und dann mit immer mehr Abnehmern für die Milchprodukte folgte der Ausbau der Herde. Zuerst seien es Simmentaler Rinder (ung. magyartarka) gewesen, ehe sie auf die leichteren (immer noch vier Tonnen schweren und hornlosen) Jersey-Kühe umgestiegen sei, die die fettigste Milch – wichtig für die Käseherstellung – liefern. Sie stelle unterschiedliche Käsesorten her, gewürzt und nicht gewürzt, Hart, Leicht-, Frischkäse und Grillkäse sowie Joghurt und Quark her. „Ich habe mit Youtube-Videos angefangen, das erste Melken hat zweieinhalb Stunden gedauert. Dann habe ich aber wochenends berufsbegleitend einen viermonatigen Lehrgang in Budapest absolviert, mit Theorie und Praxis”, so Rita Szelig.

Zuerst habe sie in der Küche Milchprodukte hergestellt, dann habe sie im Souterrain des Einfamilienhauses eine kleine Werkstatt eingerichtet, um aus mittlerweile 30-40 Liter Milch am Tag drei bis vier Kilo Milchprodukte herzustellen. Der Kundenkreis sei breit aufgestellt, neben ungarischen und ausländischen Privatpersonen gehören auch Restaurants und Pensionen dazu. Der Radius erstrecke sich von Mohatsch bis Petschwar/Pécsvárad. Zweimal im Monat – immer samstags – öffne sie ihre kleine Ladentheke.

Was als Hobby anfing, soll nach der bevorstehenden Pensionierung breiter aufgestellt werden: „Die Nachfrage kann ich im Moment kaum noch befriedigen, deshalb soll die Käsewerkstatt ausgebaut werden – mit mehr Maschineneinsatz: So will ich zum Beispiel eine Käsewanne anschaffen. Der Neupreis liegt bei 4,5 Millionen Forint (11.000 Euro) – gebraucht etwa die Hälfte.” Es laufe zudem noch eine Bewerbung um Fördergelder, um die Räumlichkeiten zu erweitern: Die Investitionssumme betrage 10 Millionen Forint (42.000 Euro), wovon 80 % der Staat trage. „Dennoch muss es vorfinanziert werden”, gibt Rita Szelig zu bedenken. Trotz all dem ist sie zuversichtlich, dass ihre Rechnung aufgeht.

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