Ende März wurde die, seit längerer Zeit geplante, Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Vertreibung vor 80 Jahren aus der alten Heimat Györsövényház/Plankenkenhausen realisiert. Als Höhepunkt wurde in der Mitte des Rasens auf dem umzäunten Kirchenareal eine ca. 2,5 Meter hohe Linde gepflanzt. Sie soll dauerhaft ein lebendes Mahnmal für die Heimatvertriebenen (mehr als 520, 1946 ), die in Weilburg ankamen, erinnern. Sie soll auch an die Flüchtlinge (mehr als 120, 1945) erinnern, die in Pettenbach, Österreich, das Weltkriegsende abgewartet haben, erinnern. Sie wurden mit Hilfe der deutschen Wehrmacht dorthin gebracht.
Nach Kriegsende sollten sie nach Plankenhausen/Győrsövényház zurückkehren. Stattdessen wurden nach „Deutschland” in die Stadt Neckarzimmern ausgewiesen. Sie wurden dort im Bereich Badischer Odenwald angesiedelt. Diese Linde soll auch das lebendes Denkmal für die Flüchtlinge des alten Heimatdorfes sein, welche in den Raum Passau per Schiff (mehr als 60 Personen) geflüchtet waren und auf eine Rückkehr nach Kriegsende in die alte Heimat hofften.
Die Gedenkveranstaltung fand am 21. März 2026 statt. Am Vormittag fand eine Kranzniederlegung an der Gedenktafel im Bahnhofder kleinen Nachbarstadt Leyden/Lébény mit Gedenkminute statt . Von diesem Bahnhof fuhren die Züge mit den Heimatvertriebenen nach Weilburg und den Flüchtlingen nach Pettenbach ab.
An der Gedenktafel von 2006 für die Heimatvertriebenen an der Außenwand der Kirche eröffnete Annamaria Göltl, die Vorsitzende der Nationalitätenselbstverwaltung mit der Begrüßung der Gäste und anderen Teilnehmern der Veranstaltung. Sie erinnerte in kurzer Rede an die schrecklichen Ereignisse der Vertreibung die der Anlass der Veranstaltung sind.
Nach dem gemeinsamen Singen der ungarischen Hymne und der Hymne der Ungarndeutschen mit Begleitung des „Deutschen Chores” Rosmarin aus Raab/Győr (Leiterin Klara Plangenauer ) erfolgte die Kranzniederlegung unterhalb der Gedenktafel an der Kirche.
Annamaria Göltl, Imre Hokstok und Gábor Hancz legten den ersten Kranz für die Nationalitätenselbstverwaltung ab. Johann Geigl und Monika Strzalka legten einen weiteren Kranz im Namen der Interessengemeinschaft der Heimatvertriebenen, Flüchtlinge aus Plankenhausen und Freunde nieder. Anschließend erfolgte eine Messe in der Dorfkirche die voll besetzt war. In der Predigt wurde vom Pfarrer nochmals an die unmenschliche Vertreibung in ungarischer Sprache erinnert. Ein „Vater Unser” wurde in deutscher Sprache gebetet.
Die anschließende Pflanzung der Linde (ca. 2,5 Meter groß) fand in der Mitte der großen Rasenfläche statt. Zuvor erfolgten noch die Reden vom ungarischen Bürgermeister und ins Deutsche übersetzt von Emillia Vass. Bürgermeister Hokstok bezeichnete die Vertreibung als das schrecklichste Ereignis in der Geschichte des Dorfes Plankenhausen. Die Vertreibung bezeichnete er als ungerecht. Er sagte, es sei besonders wichtig, dass der Schmerz der Geschichte uns nicht trennt, sondern verbindet. Er sprach einen besonderen Dank an Johann Geigl aus das er sich dafür einsetzt die Beziehungen zwischen den Heimatvertriebenen und den Einwohnern von Plankenhausen zu erhalten und noch zu vertiefen. Die Idee, heute einen Baum zu pflanzen, geht ebenfalls auf seine Initiative zurück. Er schloss seine Rede mit dem Satz: Möge jemand, der in einigen Jahrzehnten im Schatten dieses Baumes Halt macht, dann denken: Hier hat sich ein Dorf nicht nur der Erinnerung gewidmet, sondern sich auch für Versöhnung und Zusammengehörigkeit eingesetzt. Johann Geigl erinnerte in seiner Rede nochmals an die Vertreibung von den mehr als 520 deutschstämmigen Einwohnern die in Viehwaggons, zu 30 Personen eingepfercht, nach Deutschland abtransportiert wurden. Ferner erinnerte er an die Flüchtlinge, mehr als 120, die mit Hilfe der deutschen Wehrmacht, aus Furcht vor der Roten Armee”, nach Pettenbach ausreisten. Ihr Ziel war nach Kriegsende in die Heimat zurückzukehren. Auch wurden in seiner Rede die Flüchtlinge, mehr als 60, die per Schleppschiffen nach Passau flohen, benannt. Auch sie flohen aus Angst vor der Roten Armee. Ihr Plan war ebenfalls nach Kriegsende in die Heimat zurückzukehren.
Für Alle zählt der Verlust der geliebten Heimat Plankenhausen zu den bittersten Erfahrungen in ihrem Leben. Die gepflanzte Linde soll als „lebendes Mahnmal” die Erinnerungen an diese schrecklichen Taten und Zeiten wachhalten. Alle sollten daran arbeiten dass diese sich nicht wiederholen.
In vielen kleinen Dörfern in Hessen stand eine große, alte Dorflinde. Sonntags, am Nachmittag, war die Bank darunter häufig der Treffpunkt der heimatvertriebenen und geflüchteten Männer zum Plausch. Es wurden Nachrichten ausgetauscht, die man per Brief aus der alten Heimat erhalten hatte und Pläne für die Rückkehr in die Heimat geschmiedet. Die Kinder spielten unter der weit ausladenden Krone der Linde. Die Mütter bereiteten aus den Blüten den weithin bekannten Lindenblütentee. Somit hat die Linde bereits die Kindheit beeinflusst.
Im Namen der Interessengemeinschaft überbrachte Johann Geigl herzliche Grüße an die Dorfbewohner und Anwesenden der Versammlung. Einen besonderen Dank sagte er dem Bürgermeister Imre Hokstol, seinem Stellvertreter Gábor Hancz und der Vorsitzenden der Nationalitätenselbstverwaltung Annamaria Göltl. Die Nationalitätenselbstverwaltung stiftete die Linde.
Auf besonderen Wunsch sang der Chor Rosmarin die erste Strophe vom Lied „Am Brunnen vor dem Tore stand ein Lindenbaum…”. Der Chor Rosmarin mit seinem Akkordeonspieler begleiteten die gesamte Veranstaltung mit einem Repertoire von deutschen Volksliedern. Unter einem kleinen Zelt wurden an die Teilnehmer der Veranstaltung Kaffee und Kuchen sowie kleine Häppchen und Getränke kostenlos angeboten. Dieses Büfett wurde gut angekommen und es kamen interessante Gespräche und Begegnungen zustande. Selbst der Pfarrer war fast bis zum Ende der Veranstaltung „unter den Leuten”.