Ob es nun wahr ist oder nicht, es wird erzählt, daß in einem Bergarbeiterdorf im Tale des Csertető etwas Seltsames geschah. Unter den Bergleuten waren sieben gute Kameraden. Sie gingen zusammen zur Arbeit und vergnügten sich gemeinsam in ihrer Freizeit. Einmal kamen sie zu dem Entschluß, sich unter der Erde – auf Biegen oder Brechen – umzuschauen,
um nicht nur den kleinen Teil zu kennen, wo sie jeden Tag arbeiteten. So geschah es auch. Sie machten sich also fertig und brachen auf. Sie gingen auf unbekannten Wegen in unterirdischen Höhlen, gebückt und kriechend. Auf einmal standen sie vor einem riesigen Tor. Sie konnten nicht weiter. Vergeblich hängten sich alle sieben an die Klinke, vergeblich drückten sie mit der Schulter dagegen, alles war umsonst, es bewegte sich nichts.
Wie sie sich so plagten, hörten sie auf einmal wunderbaren Gesang. Die sieben Freunde waren schon müde, und der Gesang gefiel ihnen. Sie setzten sich also nieder und schliefen im Nu ein. Ihre Gefährten suchten sie lange, aber vergeblich. Inzwischen war die Arbeitszeit abgelaufen, sie gingen nach Hause und erzählten, daß sich die anderen irgendwohin verirrt hätten und alle sieben Männer verschwunden seien. Im Dorfe dachte man, das Bergwerk hätte sie begraben und die Frauen wollten ihre Männer und ihre Söhne nicht mehr in das Bergwerk lassen.
Inzwischen erwachten die sieben guten Kameraden aus ihrem Schlaf. Zuerst fiel ihnen die große Stille auf, denn der Gesang hatte aufgehört. Als sich der Jüngste langsam erhob, stieß er zufällig an das Tor. In diesem Augenblick öffnete es sich. Als sie eingetreten waren, befanden sie sich in einem großen Saal. An der Seite standen schön in der Reihe sieben goldene Stühle. Vor ihnen befand sich eine andere Tür und hinter dieser ein Marmorsaal. In diesem Saal tanzten sieben wunderschöne Feen. Die Feen erblickten die Burschen. Jede der sieben wäre in eine andere Richtung davongelaufen, wenn nicht jeder der jungen Bergleute eine von ihnen erhascht und mit ihr getanzt hätte. Die sieben Feen flehten die Burschen an, sie sofort zu verlassen, sonst geschehe ein großes Unglück. Die älteste Fee sagte:
“Wir sieben sind Geschwister. Unsere Stiefmutter ist die Hexe des unterirdischen Reiches. Ihr habt Glück, dass sie schläft. Wenn ihr aber jetzt ganz still weggeht, versprechen wir euch, dass wir euch jeden Mittag durch das eiserne Tor einlassen, und ihr könnt mit uns tanzen, bis ihr außer Atem seid.”
Sie befolgten den Rat der Fee und gingen nach Hause. Dort war die Verwunderung groß. Die Leute wollten ihren Augen nicht trauen, dass die sieben heil davongekommen waren. Sie erzählten, was sie alles gesehen hatten, nur die Feen erwähnten sie nicht. Es fiel aber alsbald auf, dass sich die sieben Burschen jeden Mittag heimlich davonstahlen. Die Hexe schöpfte alsbald Verdacht, denn es fiel ihr auf, dass sich die Feen immer um die Mittagszeit in den Marmorsaal begaben, während sie ihn früher in den Abendstunden aufgesucht hatten. Eines Tages blieb sie nach dem Mittagessen wach, um zu erspähen, was die Feen dort trieben. Als sie durch das Schlüsselloch guckte, sah sie, wie die sieben Feen mit den sieben Burschen lustig tanzten. Sie nahm schnell ihren Zauberstab, schwang ihn dreimal durch die Luft, dass es nur so sauste, und die Burschen wurden auf der Stelle zu Stein.
Die Feen waren traurig, sie flehten ihre Stiefmutter an, ihnen ihre Tänzer zurückzugeben. Die Hexe sagte:
„Ich lasse sie frei, wenn sie versprechen, ein Jahr in meinem Reiche zu dienen und dann nie mehr hierher zurückzukommen.”
Die Mädchen versprachen dies im Namen der Burschen. Als die Steine wieder zu den sieben lustigen Burschen geworden waren, tanzten diese vor Freude in den Marmorsaal. Dann nahm jeder die Fee, die er sich zur Frau erwählt hatte, in die Arme. Ohne sich umzusehen, liefen sie dem Dorfe zu. Bald darauf feierten sie ihre Hochzeit.
Die Hexe wartete zwei, drei Tage auf ihre Stieftöchter, aber die meldeten sich nicht. In ihrem Zorn verfluchte sie ihren ganzen Besitz und verwandelte die glänzenden schwarzen Diamanten alle in Steine. Sie selbst wurde zum Raben und flog krächzend über alle Berge.
Deshalb finden wir noch heute zwischen der Kohle viele Steine.