Im Gespräch mit Tamás Taschner, dem neuen Vorsitzenden der DNSVW Ödenburg
Der Besuch in Ödenburg gehörte zu der Kategorie „liegen geblieben”. Bereits vor einem Jahr erreichte eine Mail von dem neuen Vorsitzenden der Deutschen Selbstverwaltung Tamás Taschner unsere Redaktion. Darin berichtete der im Herbst 2024 gewählte neue Vorstand der Interessensvertretung der Deutschen in der westungarischen Stadt über allerlei Vorhaben.
Ende des Jahres traf ich den Geografielehrer im Rejpál-Haus in der Grabenrunde. Er hat sich vorgenommen, die enagierte Arbeit der langjährigen Vorsitzenden Magdalena Krisch, die weiterhin der Selbstverwaltung angehört, fortzuführen. Dabei ist Taschner wie Krisch Spross einer alteingesessenen Ponzichter-Familie: „Ich bin aber in einer Mischehe geboren und erhielt von meiner Mutter den Namen Tamás – meinen Kindern gab ich aber deutsche Vornamen: Sophie, Thomas und Frieda, was im Spital durchaus Probleme bereitet hat. Mein Vater sprach noch Mundart, aber nie vor den Kindern, dafür hörten wir bei den Großeltern Heanzisch, was wir kaum verstanden haben. Darüber hinaus war der Konsum von ORF-Sendungen wöchentliche Routine”, sagt der 56-Jährige, der 20 Jahre lang beim Welterbe-Verein gearbeitet habe, ehe er dann neben der Reiseleitung zum Lehrberuf zurückkehrte. Taschner ist in der vierten Legislaturperiode Mitglied der Vollversammlung der LdU und somit eine Stimme des Westungarndeutschtums mit ihren speziellen Bedürfnissen an der Grenze zum Nachbarland Österreich.
Dazu gehöre auch die überall anspruchsvolle Aufgabe, die Jugend anzusprechen und in die Arbeit mit einzubeziehen. Als Beispiel nennt Taschner die Mitgliederentwicklung im Deutschklub, dem Flaggschiff der Ödenburger Heanzen: Die Zahl der Mitglieder sei von 400 auf unter 100 gesunken. Man brauche daher neue Ideen, um die Jüngeren zu erreichen, so der Grundschullehrer. Dabei bemühe man sich alle Vereine und Kulturgruppen wie die Chöre in Brennberg und Wandorf/Sopronbánfalva, die Blasmusikkapelle und die Tanzgruppe „Brüderlichkeit” beispielsweise „ohne konkrete Erwartungen” zu unterstützen.
Zu den Aktivitäten der DNSVW gehörten dabei Vorträgen in deutscher Sprache: „Ort dieser Vorträge ist Wandorf bei dem evangelischen Pfarrerehepaar Heinrichs. Im letzten Jahr sprach Claudia Wunderlich, Spross einer berühmten Ödenburger Kartenmalerfamilie, die Germanistin Judit Bertalan über Ödenburger Familien. Im neuen Jahr 2026 erwarten Kathi Gajdos-Frank vom Bleyer-Heimatmuseum Wudersch und dem JBG-Vorsitzenden Stefan Pleyer. Den Kern der Besucher liefert die Generation, deren Mitglieder um 1970 herum geboren wurden”, erzählt Taschner. Auch das Bohnenfest im November und regelmäßige Treffen mit selbstverwaltungen stünden unter anderem im Jahreskalender. Die DNSVW verfügt nach Taschners Angaben nun über eine eigene zweisprachige Homepage, woman über Aktivitäten informiere und Rückblick auf vergangene Veranstaltungen böte. Die regelmäßig erscheinende „Ödenburger Zeitung” als Projekt lasse aus Personalnot noch auf sich warten.
Ganz besonders habe man die Jugend im Blick: Dazu gehörten Angebote wie Kurzfilme (Bäcker-Bernhard-Projekt), Workshops, die nächste GJU-Jugendkonferenz, die März 2026 in Ödenburg stattfinden soll, oder das bereits erwähnte Bohnenfest, das Mai 2026 zum zweiten Mal stattfinden soll. Aktivitäten, die das Sprach- und Identitätsbewusstsein ungarndeutscher jugendlicher Ponzichter-Nachfahren stärken soll.
Denn trotz Nähe zu Österreich und dem dortigen Arbeitsmarkt lässt sich bei den Deutsch-Sprachkenntnissen ungarndeutscher Jugendlicher ähnliche Tendenzen und Herausforderungen wie woanders in Ungarn beobachten: An der Grundschule am Fenyő tér und am Evangelischen Lyzeum werden in den Nationalitätenklassen einige Fächer (Geografie, Geschichte, Musik) auf Deutsch unterrichtet – nach Erfahrungen von Tamás Taschner verfügten 10-20 % der Jugendlichen über ausreichende Sprachkenntnisse, um dem Unterricht in deutscher Sprache folgen zu können. Er selbst lege Wert darauf, mit den Schüler auch in Alltagssitutation auf Deutsch zu kommunizieren.
Eine Haltung, denen auch andere folgen sollten.