Das unterirdische Reich

Das unterirdische Reich

Vor langer Zeit lag in der Mitte des Waldes von Csertető ein friedliches, kleines Dörfchen. Ohne dass man wusste wie, verschwanden in gewissen Zeitabständen die Burschen aus dem Dorfe. Nur ein hübscher, arbeitsamer Bursche aus einer armen Familie blieb zurück. Da die armen Leute glaubten, dass jetzt die Reihe an ihren Sohn käme, banden sie ihn des Nachts fest an das Bett. Eines Nachts kam auch ein Ungeheuer, aber es plagte sich vergeblich, es konnte die Stricke nicht lösen. Als es wütend durch die Tür rannte, schrie es noch zurück:
“Warte, das wirst du noch bereuen!”
Damit verschwand es spurlos, für kurze Zeit war wieder Ruhe im Dorfe. Einmal kam ein furchtbares Ungewitter, während es donnerte und blitzte, verschwand auch der Sohn der armen Familie. Niemand sah ihn je wieder.
Kurz darauf kamen die Soldaten des Feldherrn Szabolcs in das Dorf und die Einwohner klagten ihnen ihr Leid. Sie erzählten auch von dem Verschwinden der Burschen. Die Soldaten versprachen, alle zurückzuholen. Sie brachen auf.
Am Abend gelangten sie zu einem Höhleneingang. Als die Soldaten hineingingen, waren sie vom Glanz so geblendet, dass sie fast erblindeten. Als sich endlich ihr Auge an die Helligkeit gewöhnt hatte, erblickten sie auf dem Boden riesige Fußspuren. Sie folgten ihnen. Dann gelangten sie zu einer anderen Höhle. An ihrem Eingang schlief ein riesiges Ungeheuer und die aus dem Dorf geraubten Burschen standen im Kreise um das Ungeheuer herum. Hei, wie sich die Burschen trauten, als sie den Feldherrn Szabolcs und seine Helden erblickten! Die Dorfburschen fielen auf die Knie und baten den Feldherrn, sie aus der Gefangenschaft zu befreien. Über diesen Lärm wachte das Ungeheuer auf und brüllte so laut, dass sie fast taub wurden. Das Ungeheuer schrie dem Feldherrn Szabolcs zu:
“Wer bist du, Unglücklicher, der du in mein Reich kommst?”
Es hob einen großen Stein von der Erde auf und warf ihn auf Szabolcs. Aber der sprang geschickt zur Seite und trennte mit einem einzigen Hieb beide Beine vom Rumpf des riesigen Wesens. Das Ungeheuer stürzte lang hin, ehe es starb, schlug es noch auf den Helm Szabolcs, dass ihm Blut aus Mund und Nase quoll. Die Soldaten wollten zum Ausgang zurückkehren, mussten jedoch wahrnehmen, dass sie die Felsspalte nicht mehr finden konnten. Sie gingen in entgegengesetzter Richtung weiter.
Als sie so gingen, hörten sie auf einmal aus einer anderen Höhle: Jammern und Klagen. Als Feldherr Szabolcs dort eintrat, sah er, dass wieder ein anderer Riese Hände und Füße von drei Burschen an einen Felsen band. Eben jetzt hatte er sie aus einem Dorfe geraubt. Szabolcs sprang hinzu und schlug dem Riesen die Hand ab, mit der er den Strick hielt. Furchtbar schrie der Riese auf. Das schreckliche Ungetüm konnte ihm nicht mehr helfen, es war ja tot.
“Du kannst rufen, so lange du willst”, sagte Szabolcs. “Eben habe ich das Scheusal in die Hölle geschickt.” Der Riese fing an zu flehen.
„Unter einer Bedingung übe ich Gnade”, sagte Szabolcs. “Sage uns, wie man aus der Höhle herauskommen kann!”
“Wahrlich, du hättest tausend Jahre warten können, bis dich jemand befreit, wenn du mich getötet hättest! Siehst du den Marmorkopf dort in der Ecke? Lege ihn auf die Steinbank und schlage mit deinem Schwert darauf! Sofort wird der Weg frei sein.”
Szabolcs glaubte dem Riesen nicht ganz, er fesselte ihn, damit er nicht fliehen konnte, wenn er nicht die Wahrheit gesagt haben sollte.
Dann legte er den Marmorkopf auf die Steinbank und schlug mit seinem Schwert darauf. Im gleichen Augenblick brach ein so starkes Gewitter los, dass die Zauberhöhle sofort spurlos verschwand. Nur die Schilde schützten die Helden des Feldherrn Szabolcs und die befreiten Burschen, so dass ihnen kein größeres Leid geschah. Auch der Riese war verschwunden.
Die Burschen erzählten dem Herrn Szabolcs, was sie alles unter der Erde gesehen hatten.
Im Gespräch sehr vertieft, nahmen sie nicht wahr, dass sie sich bereits auf ihrer Dorfwiese befanden. Im Dorfe herschte heller Jubel. Feldherr Szabolcs nahm sich das schönste Mädchen des Dorfes zur Frau, auch seine Soldaten ließen sich hier nieder. Sie schlugen am Fuße des Csertető im Walde ihre Zelte auf. Dort lebten sie bis zu ihrem Tode.
Die Einwohner des Walddörfleins wanderten später zum Fuß des Berges, und dieses Dorf heißt heute noch Szabolcs.

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