Márton Kalász ist gestorben – und mit ihm ein bekennender Donauschwabe

Von Viktor Erdész

Am 30. Dezember ist Márton Kalász im Alter von 87 Jahren gestorben. Der vielfach ausgezeichnete ungarische Schriftsteller aus den Reihen der deutschen Volksgruppe bekannte sich sein gesamtes Leben lang als Deutscher.

Seine Alltagssprache war Deutsch

Márton Kalász wurde als Martin Christmann am 08. September 1934 in Schomberg/Somberek in der Zwischenkriegszeit im damaligen Königreich Ungarn geboren. Er wuchs rein deutschsprachig auf, bis zu seinem zehnten Lebensjahr sprach er ausschließlich Deutsch. Anschließend entdeckte er seine Liebe zur ungarischsprachigen Literatur. Er wurde zu einem bedeutenden ungarischen Schriftsteller im Nachkriegsungarn. Beides, die rein deutschsprachige Kindheit als auch die Liebe zur ungarischen Sprache und Literatur verband Kalász für sich. Bis zu seinem Tod blieb seine Alltagssprache Deutsch, seine Werke schrieb er aber auf Ungarisch. Für den Mann aus der deutsch geprägten Region „Schwäbische Türkei“ war dies kein Widerspruch.

Er kam aus dem deutschen Zentrum der Branau

Die „Schwäbische Türkei“, in der Schomberg liegt, hatte in Kalász‘ Kindheit eine bedeutende deutsche Minderheit vorzuweisen. So betrug im Komitat Branau, in der Schomberg liegt, bei der Volkszählung 1910 der deutsche Anteil unter den damals 350.000 Einwohners 32 Prozent.1 Dieser Einfluss hat bis heute seine Spuren hinterlassen. Auch laut aktueller Volkszählung beträgt der Anteil der Deutschen sechs Prozent2 – dies ist nicht nur ein Rekord in den heutigen Komitaten des viel kleiner gewordenen Ungarns, sondern auch in allen heutigen vergleichbaren Verwaltungseinheiten des ehemals großungarischen Gebiets, inklusive der einst deutschen Hochburgen wie Siebenbürgen oder das Banat. Schomberg lag dabei selbst im Komitat Branau im Zentrum des deutschen Siedlungsgebiets. Selbst heute beträgt der Anteil der Deutschen in Schomberg 40 Prozent – außergewöhnlich!

Ein Bekenntnis zum Deutschtum

So wuchs Kalász in einer deutschen Welt auf – mitten in Ungarn. Seine Muttersprache und die deutsche Kultur, die ihm in seiner Kindheit mitgegeben wurde, prägten ihn so stark, dass er sich auch während seines Wirkens als ungarischer Schriftsteller hinter sie stellte. So berichtet 24.hu3, wie Kalász von sich selbst sagte:

„Ich bin gleichzeitig Deutscher und Ungar. Ich habe eine Muttersprache, das Deutsche, und eine geistige Muttersprache, das Ungarische.“

So war Kalász sein Leben lang ein Bekenner seiner deutschen Volksgruppe, der Donauschwaben. Dies spiegelte sich auch in seinen Tätigkeiten wider: So war er auch lange als Übersetzer und Germanist tätig.

Große Ehrungen und Auszeichnungen

Doch dieses Bekenntnis stand in keinem Konflikt zu seiner Liebe zu Ungarn. So schrieb er fast ausschließlich auf Ungarisch. Sein Bekenntnis zum Deutschtum brachte ihm keinen Hass seitens des heutigen ungarischen Staates ein. Im Gegenteil: Für seine Werke wurde er oftmals ausgezeichnet – so erhielt er zweifach den Attila-József-Preis und das Mittlere Kreuz des Verdienstordens der Republik Ungarn – nur um hier wenige Beispiele zu nennen. Eine Aufzählung all seiner Werke würde hier den Rahmen sprengen.

Bildquelle: https://dailynewshungary.com/renowned-poet-and-writer-marton-kalasz-dies-aged-87/

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