Heimat verbindet – über Grenzen und Generationen hinweg

Heimat verbindet – über Grenzen und Generationen hinweg

Das 5. Donauschwäbische Welttreffen in Ungarn und Serbien: „Wurzeln bewahren – Brücken bauen – Zukunft gestalten“

Von Jürgen Harich
Präsident des Weltdachverbandes der Donauschwaben

Was bedeutet Heimat? Für viele ist es der Ort, an dem man geboren und aufgewachsen ist. Für andere sind es die Sprache, die vertrauten Lieder, die Gerüche aus der Küche der Großmutter oder die Geschichten, die am Familientisch immer wieder erzählt werden. Heimat ist ein Gefühl von Zugehörigkeit – und sie kann an mehreren Orten zugleich existieren. Gerade für die Bekenntnisgeneration der Donauschwaben ist „Heimat“ oft kein geographisch klar umrissener Begriff mehr, sondern eine Frage der Erinnerung, der Kultur und der gemeinsamen Wurzeln.

Der Weltdachverband der Donauschwaben hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, diese Wurzeln lebendig zu halten. Er möchte den Nachkommen zeigen, woher ihre Vorfahren kommen, Begegnungen in der alten Heimat ermöglichen und die Weitergabe von Kultur, Identität und Brauchtum fördern. Junge Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen dabei nicht nur erleben, sondern auch weitertragen – als Multiplikatoren in ihren Heimatländern.

Wie sich dieses Ziel mit Leben füllen lässt, zeigte das 5. Donauschwäbische Welttreffen, das vom 2. bis 15. August 2025 unter dem Motto „Wurzeln bewahren – Brücken bauen – Zukunft gestalten“ in Ungarn und Serbien stattfand. Organisiert vom Weltdachverband der Donauschwaben in enger Zusammenarbeit mit dem Landesrat der ungarndeutschen Chöre, Kapellen und Tanzgruppen und dem Nationalrat der deutschen Minderheit in Serbien sowie den örtlichen Kulturvereinen knüpfte dieses Ereignis an die Reihe internationaler Begegnungen an, die seit vielen Jahren die donauschwäbische Identität, Geschichte und Kultur lebendig halten.

Begegnungen in Ungarn

Die Reise begann in Ungarn, wo viele Orte bis heute stark von ungarndeutschen Gemeinschaften geprägt sind. Gleich bei der Ankunft in Baaja zeigte sich die Vielfalt: Musik, Tanz und die offizielle Begrüßung durch Jürgen Harich, Präsident des Weltdachverbands, eröffneten das Treffen feierlich.

In Surgetin/Szederkény brachte ein Theaterstück die Geschichte der Donauschwaben auf die Bühne, in Feked feierten die Teilnehmenden einen bewegenden Gottesdienst. In Gereschlak/Geresdlak standen Workshops zu Brauchtum, Handwerk und Kulinarik auf dem Programm, während in Deutschbohl / Bóly, Bonnhard / Bonyhád und Wesprim Heimatstuben, Lehrpfade und Ausstellungen besucht wurden. Kulturabende in Wemend, Gereschlak und Bonnhard boten Musik, Tanz und kulinarische Spezialitäten.

So entstanden in den Begegnungen zwischen den internationalen Gästen – aus Deutschland, Österreich, Brasilien, Kanada, den USA und den donauschwäbischen Ungarn vor Ort – lebendige Brücken zwischen Generationen und über Kontinente hinweg.

Gedenken und stille Momente in Serbien

In der zweiten Woche führte das Welttreffen nach Serbien, in die Vojvodina – eines der historischen Kerngebiete donauschwäbischer Siedlungen. In Neusatz/Novi Sad, Sombor, Apatin und Karlowitz traf die Gruppe Vertreter der dortigen deutschen Minderheit und besuchte Museen und Sehenswürdigkeiten wie die Festung Peterwardein oder die Wallfahrtskirche Maria Schnee.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf Orten wie Gakowa und Filipowa, wo Gedenkstätten an die leidvolle Nachkriegszeit erinnern. Hier gab es stille Momente der Besinnung, Gottesdienste – etwa in Brestowatz – und Gespräche mit Zeitzeugen. Auch in Bulkes, wo ein Kirchenprojekt vorgestellt wurde, erlebten die Teilnehmenden, wie wertvoll es ist, Tradition unter widrigen Umständen zu bewahren. Der Besuch dieser Region bot neben einer Bootsfahrt auf der Donau und einer Filmvorführung über das Schicksal der Donauschwaben – die Hauptdarstellerinnen waren anwesend – Gelegenheit, sich intensiv mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Zugleich kam man mit Menschen vor Ort ins Gespräch, die die donauschwäbischen Traditionen unter schwierigen Bedingungen bewahrt hatten.

Dass mehrere Vertreter der deutschen Botschaft in Belgrad anwesend waren, unterstrich den hohen Stellenwert des Treffens. Sie betonten, das Welttreffen befördere Frieden und Völkerverständigung – eine Botschaft, die gerade für die junge Generation von Bedeutung ist.

Musik, Tanz und neue Freundschaften

So traurig die Gedenkorte stimmten, so fröhlich präsentierten sich die Kultur. Tanz- und Trachtengruppen aus vielen Ländern: Die alten Tänze wurden lebendig, Chöre sangen vertraute Lieder und beim gemeinsamen Essen entstand Gemeinschaft.

Zum Abschluss reiste die Gruppe wieder nach Ungarn in den Iglauer Park in Waschludt/Városlőd, wo parallel die Tanzwoche des ungarndeutschen Landesrates stattfand. Hier knüpften junge Leute schnell Kontakte – ein Symbol dafür, dass Kultur am besten durch Begegnung lebt. Besonders eindrucksvoll war die nachgestellte donauschwäbische Hochzeit in Polan/Magyarpolány, die Traditionen zum Erlebnis machte.

Heimat als Zukunftsaufgabe

Das 5. Donauschwäbische Welttreffen war weit mehr als ein Reiseprogramm. Es war eine Begegnung mit Geschichte, eine emotionale Rückkehr an Orte der Vorfahren – und zugleich ein Aufbruch.

Gerade für die Bekenntnisgeneration, die oft mit der Frage ringt, was Heimat heute für sie bedeutet, wurde hier spürbar: Heimat ist nicht nur ein Ort, sondern ein Band. Es verbindet die Geschichten der Großeltern mit den Erfahrungen der Enkel, es übersetzt Kultur in die Gegenwart und es schafft ein Gefühl von Zusammengehörigkeit über Grenzen hinweg.

So wurde deutlich: Wurzeln bewahren heißt nicht Stillstand – sondern Zukunft gestalten.

Ein herzliches Dankeschön geht an die Organisatoren: Edina Bunth und László Kreisz aus Ungarn, Gabrijela Bogisic und Boris Masic aus Serbien sowie Christine Neu, Elisabeth Ziemer, Maria Zugmann-Weber und Jürgen Harich. Sie alle haben mit ihrem Einsatz das Welttreffen zu einer unvergesslichen Erfahrung gemacht.

Das nächste donauschwäbische Welttreffen wird im Jahr 2028 in Ungarn und Rumänien stattfinden.

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