Wie weit digitaler Unterricht reichen wird und was alles künstliche Intelligenz ersetzen kann, ist heutzutage noch nicht abzusehen. Dass sich digitaler Unterricht in den Schulen etabliert hat, das erleben wir hier und jetzt, -mehr oder weniger-, aber inzwischen überall. Wie sich Lehrkräfte weiterbilden und wie sie mit der raschen Entwicklung der digitalen Errungenschaften Schritt halten können, das ist heute die tägliche Herausforderung in der Schule. Mittlerweile sind diese neuen Quellen für viele Lehrkräfte – auch im Bereich Deutsch als Fremdsprache – zu einer lang ersehnten methodischen Schatzkiste geworden.
Als junge Lehrerin war ich immer sehr begeistert, meine Stunden vielfältig, kreativ und mit bunten Materialien zu gestalten. Damals nahm ich in Berlin an einer Fortbildung teil, bei der wir eine CD kaufen konnten, die aus meinen eingetippten Texten Lückentexte erstellt hat. Das habe ich mit großer Freude benutzt und ich war sehr glücklich, dadurch mehr Zeit für die kreative Unterrichtsplanung zu gewinnen. Seitdem ist jedoch viel passiert. In den letzten 10-15 Jahren haben zuerst die neuen digitalen Möglichkeiten, dann die sozialen Medien, und nun die künstliche Intelligenz unser Leben umstrukturiert. Sie haben alles grundsätzlich verändert. Auch den Deutschunterricht
Aber schauen wir mal ein bisschen auf das analoge Zeitalter zurück. Als sich die Menschen noch in den öffentlichen Verkehrsmitteln anstatt Scrollen die Umgebung betrachteten, oder, -Gott bewahre-, miteinander im Gespräch kamen. So funktionierte es auch im Deutschunterricht. Der Lehrer hat Fragen gestellt, Schülerinnen und Schüler haben geantwortet. Sie haben sich miteinander unterhalten, dann haben sie zusammen ein Resümee erfasst, das sie auf großen Plakaten präsentiert haben. Es war schön und sie hatten Spaß daran. Deutschunterricht war mehr als nur mühsames Ringen mit dem Kasus der bestimmten Artikel und der Adjektivdeklination. Er war ein gemeinsames Erlebnis, ein handlungsorientierter Unterricht konnte wohl und effektiv durchgeführt werden.
Heute stehen wir vor einer anderen Realität. Die künstliche Intelligenz, die sozialen Medien, eine unzählige Menge von Online-Aufgaben, Seiten, Videos, die sich nur vermehren, die oft eine leichte und schnelle Sprachprüfung versprechen, fordern von uns andere Kompetenzen. Man braucht digitale Kenntnisse, digitale Geschicktheit und eine bestimmte digitale Intelligenz. Mittlerweile ist für alle klar, ohne digitale Werkzeuge ist kein Deutschunterricht, kein Unterricht überhaupt und kein Leben mehr vorstellbar. Auch diejenigen, die nicht mit digitalen Geräten und Smartphones aufgewachsen sind. So haben sich auch ungarische Deutschlehrer, die bekanntermaßen nicht die zu den jüngsten Generationen zählen, mit den digitalen Unterrichtsformen angefreundet.
Nennen wir sie digitale Ressourcen, weil sie so viel mehr können, als man sich vorstellen kann, und die Entwicklung ist kaum vorhersehbar. Vor ein paar Jahren gab es vereinzelte Stunden in dem Computerraum mit Online-Aufgaben und PowerPoint-Präsentationen, heute bewegen sich Schülerinnen und Schüler mit ihren Smartphones durch den Klassenraum, scannen QR-Codes oder nutzen ChatGPT. Ist diese rasante technische Entwicklung unser Feind geworden? Im Gegenteil, es wacht uns aus unserem Dornröschenschlaf auf!
Warum meine Begeisterung für digitale Lösungen im Unterricht? Weil sie uns zeitaufwendige Korrekturen erleichtern können? Weil es uns an einem müden Tag, wenn wir keine Ideen mehr haben, oder keine Zeit zur Vorbereitung hatten, helfen kann? Weil man mit deren Hilfe den Zugang zu den jungen Generationen vereinfacht? Ja, das alles. Aber für mich bedeuten diese neuen Aussichten vor allem Chancen. Diese neuen Materialien, Kanäle geben meinem Unterricht einen frischen Wind. Das ist die Herausforderung, auf die ich schon lange gewartet habe, meinen Deutschunterricht noch lebendiger, noch kreativer zu machen. Das verlangt Offenheit und die Bereitschaft, sich weiterzubilden. Es inspiriert uns, unseren Unterricht moderner und interessanter zu gestalten!
Kein Zwang, keine Qual, sondern ein geniales, enormes Potenzial!
Bild:
Marco Verch / https://www.ccnull.de/foto/